Die “Thunderforce”-Reihe, des japanischen Softwarehauses Tecnosoft, gilt auf dem Mega Drive als wegweisend für das Shoot ’em up Genre. Typisch für diese Art von Spielen ist normalerweise das konstante Scrollen von links nach rechts, ganz in der Tradition der großen Vorbilder Scramble, R-Type oder Gradius. Interessanterweise präsentierten die ersten beiden Thunderforce Teile das Geschehen zum Teil auch aus der Vogelperspektive á la “1942″. Ab Teil 3 verzichtete man auf diesen Sichtwechsel, ganz so, als wolle man sich auf seine Stärken konzentrieren. Das hat sich als weise Entscheidung heraus gestellt, denn zumindest auf dem Mega Drive konnte sich die Reihe bis zum finalen vierten Teil permanent steigern.
In den Thunderforce Titeln steuert der Spieler sein Raumschiff mehrere Level lang durch eine durchweg feindliche und zuweilen bizarre Umgebung. Glücklicherweise ist das eigene Fluggefährt gut gerüstet und verfügt über diverse Waffensysteme, zwischen denen man frei wählen und die man zudem in mehreren Stufen aufrüsten kann.
Thunderforce I erschien 1983, zu einer Zeit also, da es das Mega Drive noch überhaupt nicht gab. Los ging es erst 1989 mit “Thunderforce II” – und der Beginn war nicht gerade vielversprechend. Wie so viele Spiele, die in der Anfangszeit des Mega Drive verfügbar waren, reizte auch “Thunderforce II” nicht ansatzweise die technischen Möglichkeiten der Konsole aus und sah streckenweise aus wie ein Master System Spiel. Immerhin konnte man das spielerische Potential erahnen, das sich bald voll entfalten sollte.
Bereits ein Jahr später zeigte Tecnosoft, was man zu leisten imstande ist. “Thunderforce III” avancierte in kürzester Zeit zum Mega Drive Referenzshooter. Von den imposanten Feuerbällen der Vulkanwelt bis hin zum supergeschmeidigen Parallaxscrolling auf dem Eisplaneten – “Thunderforce III” verwöhnte das Spielerauge in einer ungekannten Dimension. Zusammen mit dem hervorragenden Soundtrack entfaltet sich ein Spielerlebnis, das nicht nur in jeder Hinsicht fesselnd, sondern auch sehr befriedigend ist, weil unfaire Stellen praktisch nicht zu finden sind.
Die Frage war nun: Wie um alles in der Welt will Tecnosoft das noch toppen? Formulieren wir es mal so – das Mega Drive galt dem Super Nintendo grafisch gemeinhin als unterlegen. Wenn es einen Titel gab, der das Gegenteil beweisen konnte, dann war das “Thunderforce IV”. Man kann förmlich den Prozessor ächzen hören, wenn man das Modul in den Mega Drive Schacht schiebt. Zur grafischen Brillanz gesellen sich Unmengen an Sprites, die (fast) ruckelfrei über den Bildschirm tanzen und jedem Mega Drive Besitzer vor Stolz die Brust anschwellen lassen.
Wer noch irgendwo ein Mega Drive zuhause herum stehen hat, darf sich glücklich schätzen – mit “Thunderforce IV” hat Tecnosoft ohne Zweifel den perfekten Shooter geschaffen.
Die Thunderforce Historie
- 1983: Thunder Force (Sharp X1, NEC PC-88, Fujitsu FM-7)
- 1988: Thunder Force II (Sharp X68000)
- 1989: Thunder Force II (Mega Drive)
- 1990: Thunder Force III (Mega Drive)
- 1990: Thunder Force AC (Arcade) Portierung von Thunder Force III
- 1991: Thunder Spirits (SNES) – Portierung von Thunder Force AC
- 1992: Thunder Force IV (Mega Drive) – auch als Lightening Force: Quest for the Darkstar in den USA erschienen
- 1996: Thunder Force Gold Pack 1 (Sega Saturn) – enthält Thunder Force II und Thunder Force III
- 1996: Thunder Force Gold Pack 2 (Sega Saturn) – enthält Thunder Force IV und Thunder Force AC
- 1997: Thunder Force V: Perfect System (Sega Saturn, PlayStation)
- 2008: Thunder Force VI (Playstation 2) nicht mehr von Technosoft, sondern Tetsu Okano


Dezember 20th, 2010
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